Die Geschichte der Kommunikation
Von den Anfängen der Schrift bis zum Handy

Kein Ort, wo nicht plötzlich ein Handy klingelt. Im Theater, in Klassenzimmern, während wichtiger Klausuren, im Café oder wenn man es sich mit seinen Liebsten zu Hause gemütlich gemacht hat. Auf die permanente Erreichbarkeit will heute niemand mehr verzichten. Gut, Ausnahmen gibt es immer noch: hartnäckige Gemüter, die Kopfschütteln ertragen und tapfer den verwunderten Fragen standhalten, wie: „Was? Du hast kein Handy? Tja…“

Ein Herr, der vor ihnen auf dem Trottoir entlang ging, trat plötzlich aufs Pflaster, zog einen Telefonhörer aus der Manteltasche, sprach eine Nummer hinein und rief: ‹Gertrud, hör mal, ich komme heute eine Stunde später zum Mittagessen. Ich will vorher noch ins Laboratorium. Wiedersehen, Schatz.› Dann steckte er sein Taschentelefon wieder weg. -

Was Erich Kästner 1931 in seinem Kinderbuch „Der 35.Mai“ noch als ironische Vision zukünftiger Telefonie präsentierte, ist vom heutigen Alltag mobiler Kommunikation nicht weit entfernt. Das scheinbare Selbstgespräch in der Öffentlichkeit und der Blick auf das Display sind in rasanter Geschwindigkeit zu selbstverständlichen Gesten der Kommunikationsgesellschaft geworden. Der Wunsch und die Bemühungen, mobil und drahtlos zu telefonieren, haben jedoch eine erheblich längere Geschichte.

1. Die Geschichte der Kommunikation

Die ersten Schriftdokumente sind auf ca. 3500 v. Chr. datiert. Sie entstanden im Zuge der zunehmenden Urbanisierung, also der Abwanderung der Landbevölkerung in entstehende
Städte, oder kulturelle Zentren. In dieser Zeit entstand die altsumerische Schrift.
Die Ägypter entwickeln um 3000 v. Chr. eine der berühmtesten Symbolschriften, die Hieroglyphen, Schriftzeichen mit erkennbar bildhaftem Charakter.

Auch in Mesopotamien wird eine neue Zeichenschrift, die Keilschrift, entwickelt.
Im römischen Reich besteht um 150 v. Chr. ein Rauchtelegraphennetz mit einer Ausdehnung
von ca. 4500 km. Kommunikation via Rauchzeichen gab es in vielen altertümlichen Kulturen der Erde.
Hierzulande kennt man die Keilschrift der alten Germanen. Gebildet aus der römischen Kapitalschrift, verbreitet sie sich gegen Ende des zweiten Jahrhunderts n. Chr. unter den germanischen Stämmen. Nachrichten und Neuigkeiten, Gesetze, Verordnungen und Regeln werden in Stein gemeißelt, auf Wände gemalt, in hölzerne Tafeln oder Stäbe geritzt.

Bis zum Jahre 1450 geschieht nichts Nennenswertes. In diesem Jahr erfindet der Mainzer Goldschmied Johannes Gutenberg den Buchdruck. Eine revolutionäre Neuerung, die die Verbreitung und Zugänglichkeit der Nachrichten enorm beschleunigt.

Das Jahr 1490 ist die Geburtsstunde der Post. Die Familie Taxis richtet einen regelmäßigen
Botendienst zwischen Innsbruck und Mechelen ein. Vor der Gründung der Post bringen Boten zu Fuß oder zu Pferde die Briefe direkt von Haus zu Haus – ein Privileg der geistlichen und weltlichen Elite.

Im 17. Jahrhundert werden Signalflaggen, vor allem beim Militär zur Nachrichten -übermittlung eingesetzt. Es wurde ein umfangreiches „ Flaggen - Alphabet “ entwickelt, mit dessen Hilfe noch heute die Marine auf den Schiffen kommuniziert.

Der Durchbruch gelang 1792 Claude Chappé (1763 - 1805). Er konstruierte zusammen mit seinen Brüdern den Semaphors (griechisch sema = Zeichen und phoros = tragend) (siehe Bild). Auf einem hohen Mast wurde ein drehbarer Mittelbalken befestigt. An seinen Enden konnte man zwei Hilfsbalken bewegen. Mit dieser Konstruktion konnte man 196 verschiedene Zeichen übermitteln. Am 12. April 1793 liefen die ersten Diagramme über den Chappé Versuchssemaphor. Die Versuchsstrecke war 70 km lang. 41 Wörter wurden auf dieser Strecke in nur 11 Minuten übertragen. Die Nationalversammlung in Paris ließ sofort neue Telegraphenstrecken bauen. Die erste überbrückte die 225 km lange Strecke zwischen Paris und Lille. Chappé durfte dabei alle öffentlichen Gebäude benutzen (vor allem Kirchtürme) und alle Sichthindernisse entfernen. Um die 22 Stationen zwischen Paris und Lille zu bemannen wurde äußerst sorgfältig ausgelesen, da jeder Mitarbeiter die Nachricht verfälschen konnte. Auf der ganzen Welt wurden nun solche Telegraphenlinien errichtet.

Samuel Thomas von Sömmering entwickelt 1809 einen galvanischen Telegraphen, der sich
wegen seines komplizierten Aufbaus jedoch nicht durchsetzten kann.


1833 wird von Carl Friedrich Gauß und Wilhelm Eduard Weber erstmals ein funktionsfähiger elektromagnetischer Nadeltelegraph in Göttingen eingesetzt. Das Patent an dieser Technologie erwirbt jedoch 1837 der US – amerikanische Historienmaler und Erfinder Samuel Morse. Dieser entwickelt 1840 sein Morsealphabet, welches bis heute noch im Amateurfunk benutzt wird.

1855 stellt Ernst Theodor Litfaß die ersten nach ihm benannten Anschlagsäulen für Plakatwerbung auf. Bis in die heutige Zeit findet man an zahllosen Straßenecken in fast allen Regionen der Erde die so genannten Litfasssäulen.

Exkurs : Die Geschichte des Graham Bell

Die Grundlage für das heutige Telefon legte Alexander Graham Bell. Der Pionier der modernen Kommunikation starb vor 81 Jahren, am 1. August 1922. Die Beschäftigung mit Sprache und Kommunikation war für Alexander Bell, der am 3. März 1847 in Edinburgh in Schottland geboren wurde, etwas ganz Natürliches: Sein Vater war Spracherzieher und Gehörlosenlehrer. Alexander trat bald in die Fußstapfen des Vaters. Bereits als 16jähriger unterrichtete er Sprache an einem Internat. Zugleich versuchte er, zusammen mit seinem Bruder, ein Gerät zu entwickeln, das menschliche Sprache nachahmen sollte.
Im Sommer 1870 wanderte Alexander Bell mit seiner Familie nach Amerika aus. Zwei seiner Brüder waren an Tuberkulose gestorben und die Familie hoffte, auf der anderen Seite des Atlantiks ein gesünderes Klima vorzufinden. Bell ließ sich in Boston nieder und wurde Lehrer an einer Schule für Gehörlose. Im Herbst 1872 eröffnete er seine eigene Sprachschule. Als einer von Amerikas führenden Sprachexperten wurde Bell im Oktober 1873 mit 26 Jahren Professor für Sprachphysiologie und Sprachlehre an der Universität Boston.

"Töne sichtbar machen"
Neben seiner Lehrtätigkeit versuchte Bell, Geräte zu entwickeln, die ihm die Arbeit erleichtern sollten. Ein Grundgedanke war, dass es möglich sein sollte, Töne "hörbar" zu machen, indem man ihre Schallwellen sichtbar machte. Zusammen mit seinem Assistenten Thomas Watson arbeitete er an einem Gerät, das mit Hilfe von Membranen Töne sichtbar machen sollte. Die Töne sollten mit Hilfe von Elektrizität durch Metallkabel erzeugt werden. Das Resultat war anders als erwartet. Die Kabel produzierten nicht nur Klänge, sondern leiteten auch Töne weiter, die die Membrane aufgenommen hatte.

Die epochale Übertragung eines Tones

Am 2. Juni 1875 gelang es Bell erstmals mit Hilfe eines Apparates einen Ton zu übertragen. Er begriff, dass er eine bahnbrechende Erfindung gemacht hatte. Er reichte ein Patent ein und machte sich daran, den Apparat zu verbessern. Sein Ziel war es, einen "sprechenden Telegrafen" zu entwickeln, der die Nachrichten nicht wie üblich durch Morse-Code in Klopfzeichen übertrug, sondern mit der Hilfe von Schallwellen. Am 10. März 1876 gelang die erste Übertragung: Bell und Watson hatten das Gerät in zwei Räumen aufgebaut, und als Bell in die Membrane sprach, konnte Watson vernehmen: "Mr. Watson, kommen Sie hierher, ich möchte Sie sehen".

Interesse rollt nur langsam an

Erstaunlicherweise war das öffentliche Interesse an Bells Erfindung anfangs eher gering. Selbst auf der Weltausstellung 1876 in Philadelphia blieb Bells Apparat weitgehend unbemerkt. Bell arbeitete ständig an Verbesserungen seiner Erfindung. Immer größer wurde die Entfernung, über die er und Watson sich unterhalten konnten. Mit Hilfe gemieteter Telegrafenleitungen gelang es ihnen im Dezember 1876, über 200 Kilometer Distanz zu kommunizieren. Die Presse berichtete über die Erfindung, was das Interesse zunehmend steigerte. 1877 richtete ein Geschäftsmann aus Boston eine Telefonverbindung zwischen seinem Haus und seinem Geschäft ein.

Telefonfieber verbreitet sich

Im Juli 1877 gründeten Bell und seine Geldgeber eine nach ihm benannte Telefongesellschaft. Nach nur drei Wochen wurden 25 Telefone pro Tag vermietet. Schon bald, so verkündete Bell in zahlreichen Ansprachen, würden Menschen in verschiedenen Teilen des Landes miteinander sprechen können, ohne sich zu sehen. Nicht jeder war von der Idee begeistert. Mark Twain, übrigens einer der ersten Telefonbesitzer der Stadt Hartford, bemerkte sarkastisch: "Jetzt versuchen wir seit Ewigkeiten, unsere Nachbarn zum Schweigen zu bringen, und jetzt kommt ihr Leute und macht alles noch viel schwieriger."

Am 1. August 1922 stehen Telefone still

Bell konnte von den Erlösen der "Bell Telephone Company" sehr gut leben. Er heiratete eine ehemalige Schülerin und zog mit ihr in die kanadische Atlantikprovinz Neuschottland, wo er sich ein Landgut kaufte. Dort arbeitete er weiter an Erfindungen. Neben der Sprachübermittlung begeisterten ihn zunehmend Flugzeuge und Schnellboote. Als Alexander Graham Bell am 1. August 1922 im Alter von 75 Jahren starb, wurde ihm zu Ehren in den USA eine Minute lang jeglicher Telefonbetrieb unterbrochen. Inzwischen ist das Telefon aus unserer Welt nicht mehr wegzudenken.
Ende Exkurs


1878 erhält Werner Siemens ein Patent für ein verbessertes Telefon. Er ersetzt das Stabmagnet Bell-Telephon durch einen Hufeisenmagneten. Dies erhöht die Lautstärke. Nun erfindet er auch Wandtelefone, bei denen Hörkapsel und das neu entwickelte Kohlemikrofon getrennt sind. Die Telefone besitzen einen Schalterkopf, der den Stromkreis einer Weckbatterie schließt. So wird bei der Vermittlung ein Klingeln beim Empfänger ausgelöst. Das Telefon wird immer luxuriösere und kleiner.


Am 20. Juli 1897 wird die Wireless Telegraph and Signal Co. gegründet, aus der 1900 die Marconi Wireless Telegraph Co. hervorgeht. Marconi lässt Funkstationen in Poldhu und Cape Cod errichten, von wo aus man über den Atlantik funken kann. Man installiert einen Empfänger auf dem Signal Hill bei St. Johns in Neufundland. Die Einführung des Magnet-detektors verbessert den Empfang.

1936 entwickelt Reeves die Pulsecodemodulation, die Standartmethode zu Umwandlung analoger Signale in digitale Signale. Ohne diese Neuerung gäbe es heutzutage keine CD, keine digitalen Fotoapparate uvm. Auch wäre es uns wohl nicht bekannt, dass wir im digitalen Zeitalter leben.

1969 realisiert das US – Verteidigungsministerium das ARPA – Netz. Betreut von der Advanced Research Project Agency, gilt es als der Vorläufer des heutigen Internets.

1970 „hängt die Welt am Draht“. In den USA gibt es erste Versuche, Computer für den "Familienbetrieb" nutzbar zu machen. Für einen Test werden 20 Haushalte supermodern eingerichtet: Fernschreiber von General Electric stellen via Telefonleitung die Verbindung zum Computer her. Seine Aufgaben: Berechnung der Steuer, Erstellung des Familienbudgets, Lösen der Mathematikhausaufgaben der Kinder und Erledigung der "Heimarbeiten", die nach Feierabend von den Vätern aus dem Büro mitgeschleppt werden.

Ein wichtiger Schritt in der Entwicklung der mobilen Telefonie war der ab 1958 von
den Schweizer PTT entwickelte Autoruf: Damit konnte einem Autofahrer über ein Signallämpchen mitgeteilt werden, er solle zurückrufen. Die PTT betrieben acht Sendeanlagen und erschlossen so 98 Prozent des bewohnbaren Gebiets der Schweiz. Daneben gab es aber auch schon - ebenfalls seit den 1950er-Jahren - Autotelefone für Rettungsfahrzeuge, Taxi- und Transportunternehmen. Diese funktionierten allerdings nur im Umkreis von 25 Kilometern einer ortsfest betriebenen Station. Überdies belegten diese Geräte auf Grund der verwendeten Röhrentechnik einen Grossteil des Kofferraums.

In den frühen 1970er-Jahren begannen die PTT mit der Planung für das Nationale Autotelefonnetz der Schweiz (Natel). Die Bescheidenheit der Experten ist heute kaum mehr nachvollziehbar: Sie gingen davon aus, dass sich höchstens ein Prozent der Bevölkerung für das Natel interessieren würde. Die Rezession bremste die Anstrengungen der PTT zusätzlich - und es dauerte bis zum 1. April 1978, ehe das erste Teilnetz für das Natel A in Betrieb genommen wurde. Das Netz war in fünf Bereiche unterteilt, für etwa 8000 Kunden ausgelegt und von den heute üblichen technischen Standards weit entfernt. Das Gerät kostete mit Einbau bis zu 10'000 Franken, und neben der monatlichen Gebühr von 130 Franken wurde ein Tarif von 10 Rappen pro 12,6 Sekunden Gespräch angewandt. Der Verbindungsaufbau dauerte bis zu einer Minute, und Kunden klagten regelmäßig darüber, dass mehr als die Hälfte der Gespräche gar nicht zu Stande kamen.

Auch in Deutschland war das von einem festen Ort entbundene Fernsprechen ein kostspieliges Vergnügen. Schon 1958 hatte die deutsche Bundespost den landesweiten Mobilfunk übernommen und man musste, mit etwa 8000 DM, noch mehr als für einen
VW – Käfer entrichten, um mobil telefonieren zu können. Ganz abgesehen von der hohen monatlichen Grundgebühr und den Gesprächskosten. Der automobile Einsatz brachte überdies gewisse Schwierigkeiten mit sich. Man brauchte viel Platz und elektrische Energie, schon dafür, um für eine Entlüftung der wärmeerzeugenden Röhrentechnik zu sorgen, was wiederum die Lichtmaschine überfordert hat.

1983 dann, bringt die Firma Motorola eines der ersten
kommerziellen Handys auf den Markt. Das DynaTAC 8000X. Ein klobiger Klotz von gut einem Kilogramm Gewicht und den stolzen Maßen von 33 x 4.5 x 8,9 Zentimetern. Trotz seines „Walkie Talkie – ähnlichen“ Aussehens, einem Preis von 3.995 US$ und einer Gesprächsdauer von nur einer Stunde, konnte Motorola bis1984 schon 300.000 Stück absetzen. Für seine Entwicklung investierte der Konzern 100 Mio. US$ und 15 Jahre Zeit.


Die Situation heute hat sich deutlich verändert. Mit rasantem Wachstum ging die Entwicklung voran. Etwa 50 Millionen Deutsche und um die 1,3 Milliarden Menschen weltweit sind mittlerweile Besitzer von mobilen Telefonen. Das verweist nicht nur auf die geringe Lebensdauer von Statussymbolen, sondern auch darauf, wie mit der Verbreitung einer Technologie genau das Gegenteilige der Anfangsphase eingeleitet werden kann .

Status demonstriert nunmehr der, der auf das mobile Telefon verzichten kann. Wer also das Mobiltelefon als Machtsymbol vorzeigt, erklärt damit in Wirklichkeit allen seine verzweifelte Lage als Subalterner, der gezwungen ist, in Habachtstellung zu gehen, auch wenn er gerade mit der Frau seines Lebens ein Date hat; wann immer ihn der Geschäftsführer anruft, der Tag und Nacht hinter seinen Schuldnern her sein muss, um überleben zu können, der von der Bank sogar noch während der Erstkommunion seiner Tochter wegen eines ungedeckten Schecks verfolgt wird. Aber die Tatsache, dass er sein Mobiltelefon so prahlerisch benutzt, ist der Beweis dafür, dass er all diese Dinge nicht weiß, und somit die letzte Bestätigung dafür, dass er immer mehr in eine soziale Randgruppe gedrängt ist.

Doch das Handy ist aus dem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Es eignet sich nicht mehr nur zum Telefonieren und zur Gewährleistung der ständigen Erreichbarkeit, man kann sich über den sog. Short Message Service, kurz SMS, auch die neusten Daten über das Wetter, die Börse und vieles mehr auf sein Display schicken lassen. In Deutschland werden derzeit jährlich über sechs Milliarden solcher SMS – Botschaften verschickt. Die Tendenz ist steigend .Besonders Jugendliche haben diese Kommunikationsform für sich entdeckt. Ein Handy zu besitzen heißt für sie: SMS – Botschaften zu verschicken.

Und die Entwicklung ist nicht zu stoppen:

Durchtelefonierte Bilder
Das Handy hat sehen gelernt. Die obligate Eingangsfrage «Wo bist du gerade?» kann man sich ersparen. Denn das Display der neusten Handygeneration zeigt nicht mehr bloß graue Buchstaben, sondern gestochen scharfe Farbbilder. MMS - Multimedia Message Service - heißt das neue Format, das die Kurznachricht SMS multimedial macht.

Millionen junge Japanerinnen und Japaner tauschen auf den neuen Handys heute optische Grüsse aus. Auch in Europa wurden die ersten MMS-fähigen Handys schon eingeführt. Der Zusammenhalt in der weltweiten Handygesellschaft wird dank MMS noch gesteigert: Die Mobilteilnehmer sind nicht mehr nur im Gespräch. Sie sind auch noch an eine große Videokonferenz zugeschaltet.

Die Telekommunikation ist seit ihren Anfängen ein Reich luftiger Träume von der unbegrenzten Erreichbarkeit. Die Liberalisierung des einstigen Monopolmarkts trieb die Entwicklung noch an. Unaufhaltsam mutet der Fortschritt der Branche an. Bis vor kurzem verging kaum ein Jahr, in dem nicht Wachstumsrekorde und Wunder präsentiert wurden.

Drei Generationen
Wenn Rüdiger Sellin, PR-Manager bei Swisscom Mobiles Geschäftsfeld «Portal Services», die Schweizer Familiengeschichte der drahtlosen Telefonie erzählt, tönt es wie ein Märchen. Der Stammvater der ersten Mobilfunkgeneration, das Natel A von 1978, war ein schwerer Koffer. Auch die Nachfolgemodelle B und C funktionierten noch analog mit Radiowellen, das Natel C konnte aber schon drahtlos gesprochene Worte von einer Berg-Hütte ins Flachland senden.

Die zweite Generation, erläutert Sellin, war ein Sprung nach vorn ins digitale Zeitalter. Mit dem handlicheren Natel D von 1993 und seinen immer kleineren und leistungsfähigeren Folgemodellen, in denen statt Radiowellen elektronische Impulse gesendet werden, lassen sich nicht nur Sprechtöne, sondern auch Texte und seit neuem Bilder drahtlos übermitteln.
Gesendet werden sie über Funkkanäle nach einem Verfahren, dessen Abkürzung auf jedem Handydisplay aufscheint: GSM - Global System for Mobile Communications. 1,3 Milliarden Handybenutzer weltweit und über 5 Millionen in der Schweiz sind heute auf den GSM-Luftstrassen unterwegs. Damit gibt es weltweit bereits mehr Handys als Telefon-Festanschlüsse.

Drahtlos surfen mit UMTS
Neue Verfahren wie das Wireless Application Protocol (WAP) erfüllen den nächsten Traum: sich irgendwo auf der Strasse mit dem Handy ins weltweite Netz einzuloggen. Aber WAP ist bis jetzt kein kommerzieller Erfolg und gewährt Handys keinen uneingeschränkten Zugang zum Internet. «WAP bedeutet nicht drahtlos surfen», sagt Sellin.
Aber auch das sollte bald möglich sein. Die dritte Mobilfunkgeneration, die auf das Zauberwort UMTS hört: Universal Mobile Telecommunications System. Es ist ein Verfahren, das mit neuen Antennen schnellere und leistungsfähigere Verbindungen ermöglicht. Auf der UMTS-Autobahn werden per MMS Bilder, Filme und Töne unterwegs sein. UMTS ermöglicht somit auch den uneingeschränkten Zugang zum Internet.

2. Ein Blick in die Zukunft

Big Brother am Handy
Angst macht am Mobilfunk, dass er die Menschen nicht nur verbindet, sondern aushorcht und ortet. Beunruhigt reagierten gewisse Expo-Besucher, die auf den Arteplages (=?) eine Begrüssungs-SMS der Swisscom erhielten. Die Swisscom versprach, reklamierenden Kunden würden keine SMS mehr zugesandt. Tatsächlich ist der Mobilfunk abhörbar, angreifbar und verletzlich. Die deutschen Behörden mussten in den Hochwassergebieten zum sparsamen Handyeinsatz aufrufen. Weil die Netze unter der Anrufflut der Flutopfer zusammenbrachen, konnten sich die Helfer nicht mehr verständigen.

Die Zukunft zögert
Wo die Telekommunikation genau steht, weiß sie im Moment selber nicht. Die Euphorie ist der Zurückhaltung gewichen. Ist der rasante Fortschritt in kleine Einzelschritte übergegangen? Ist der Boom vorbei? Oder legt die Branche bloß einen Zwischenhalt ein? «Man fällt von einem Extrem ins andere, vorher war alles toll, jetzt gilt es gefährlich», sagt Rüdiger Sellin.

Bald könnte sich eine neue Mitte einpendeln. Die Erforschung des Elektrosmogs, aber auch die technische Innovation werden vorankommen. Die Konkurrenz im liberalisierten Telekommarkt schafft Dynamik. Und weil die Menschen nicht anders können als kommunizieren und „im Bild“ sein wollen, wird die Telekommunikation sich wieder vorwärts in die Zukunft träumen.

Die vierte Mobilfunkgeneration, vermutet Rüdiger Sellin werde «einen Technologiemischmasch und Alleskönnergeräte» hervorbringen. Kleine handliche Apparate werden künftig alles zugleich sein: ein Telefon, ein Handy, ein Computer, ein Musicplayer, ein Videospieler.

Verfasser: Sebastian Kohlmützer

Quellen:
- kommunikation@gesellschaft. Jg. 2, 2001, Beitrag 1, von Prof. Dr. J. Höflich
- Gerrit Herlyn, Berner Zeitung BZ 20.04.2002
- Flensburg Online, 16. Juni 2003
- Naumann und Göbel, Illustrierte Geschichte der Literatur , Band 1
- Sven Pissinger und Ronny Lallmang, Geschichte der Kommunikation
- Stefan von Bergen, Berner Zeitung 31.08.2002
- Andreas Pichl; Lichtleiter als Übertragungsmedium; 1998, Facharbeit
- R. Victor Jones, Early Wired Telegraphy; 1999
- http://www.sgh.bb.bw.schule.de/seminarkurs/gesch/gesch_se.htm
- und diverses online – Material

Zurück